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01.11.2007 15:50

Dichtungsrahmen minimiert Stillstandskosten

 

Pressespiegel

DICHT 03/2007

Dichtungsrahmen minimiert Stillstandskosten

 

PROFILE – Vandalismusschäden an Fahrzeugen des öffentlichen Personenverkehrs (ÖPV) im bereich Straße und Schiene sind mittlerweile zum „Dauerbrenner“ geworden und verursachen jährlich allein in Deutschland zweistellige Millionenschäden.

 

„Bevorzugte“ Objekte sind bei Vandalismusschäden die Scheiben von Bussen, S-, U- und Straßenbahnen oder Zügen. Hierbei wird nicht nur gesprayt, sondern es werden auch komplette Fensterflächen massiv und irreparabel verkratzt. Für den Verkehrsbetrieb bzw. Fahrzeugbetreiber wird es so früher oder später erforderlich sein, dieses Bauteil zu ersetzen. Die wirtschaftliche Belastung, die hinter Vandalismusschäden steht, ist für die Verkehrsbetriebe enorm. Jährliche Steigerungsraten von etwa 11 % werden prognostiziert und belasten die ohnehin schon arg strapazierten Instandhaltungsetats der Verkehrsbetriebe.

 

Viele Möglichkeiten – keine zufriedenstellende Lösung
Seit einiger Zeit gelten „Antikratzfolien“ als probates Mittel, um Glasflächen im Fahrzeug zu schützen. Unter den Praktikern der Fahrzeug-Werkstätten gibt es jedoch ambivalente Meinungen hinsichtlich der Effektivität und Dauerhaftigkeit der Beschichtungen mit Folie. Darüber hinaus schlagen die Kosten von durchschnittlich etwa 40 € pro m² Scheibenfläche (inklusive Folienmontage) stark zu Buche. Auch die Möglichkeit des Polierens und Schleifens beschädigter Glasflächen ist keine ausgereifte Möglichkeit der Schadensbeseitigung. Das Verfahren ist sehr zeitaufwendig und teuer und bei Sicherheitsscheibensystemen grundsätzlich nicht praktikabel. Seit einiger Zeit setzt man auf die „Nassversiegelung“ des Glases. Dieses Verfahren ist jedoch ebenfalls sehr zeit- und kostenintensiv, da hierbei die defekte Scheibe zunächst manuell herausgeschnitten wird. Zur „Versiegelung“ verwendet man dann zweikomponentigen, Lufthärtenden Kleber (in Anlehnung an die PKW-Serienproduktion). Die Fahrzeuge müssen hierzu durchschnittlich für zwei Tage (abhängig vom Scheibentyp) in der Werkstatt stehen und können den Fahrbetrieb nicht aufnehmen.

Für den Fahrzeughersteller wiederum bietet die Nassverklebung eine schnelle und günstige Art der Scheibenabdichtung. Darüber hinaus lassen sich auch Toleranzen am Fahrzeugkasten ausgleichen.

Aus der Tagespraxis, z.B. des Verkehrsbetriebes Essen, sind exakte Aufwandsberechnungen des Scheibenwechsels bekannt. Die Tauschkosten bei Einscheibensicherheitsglas (Seitenscheiben) belaufen sich in Summe auf 1.000 € (bei geklebten Gläsern). Allein für den Nutzungsausfall des Fahrzeuges fallen dabei 900 € (ein- bis zweitägige Stillstandszeit sowie Lohnkosten) an. Die Materialkosten betragen lediglich 100 €.

Die klassische Abdichtungsmethode von Scheibensystemen erfolgt mit Gummirahmen. Mit Eckverbindungen des Rahmens dichtet der EPDM-Gummiwerkstoff (Ethylen-Propylen-Dien-Mischung) die Scheiben witterungs-, alterungsbeständig, zuverlässig ab. Optisch gesehen gibt es bei diesen Gummirahmen im Eckbereich zum teil deutliche Überstände (Wulstbildungen). Ein möglichst „glattes und stromlinienförmiges“ Design, welches speziell für Schienenfahrzeuge anvisiert wird, ist damit nicht möglich.

 

Ästhetisch und Kostenaspekte kombinieren
Hierdurch begann der „Vormarsch“ geklebter Scheibensysteme. Da sich das Dichtungskonzept mittels Gummirahmen in der Praxis langjährig bewährte, machte man sich daran, dem ästhetischen Nachteil der Wulstbildung mit Neuentwicklungen entgegenzuwirken. Die nun speziell entwickelten Rahmendichtungskonzepte vereinen beide Vorteile: Sie liegen eng an der Fahrzeugaußenhaut an, schaffen ein glattes, stromlinienförmiges Design und erfordern zudem kein manuelles Herausschneiden, Säubern, evtl. Primern und Ablüften ( Aushärten der Fugendichtmasse) beim Fenstertausch. Dadurch lassen sich erheblichen Reduzierungen der Stillstands- und Wagenausfallzeiten der ÖPV-Fahrzeuge erreichen.

Mit den neu entwickelten Dichtrahmen können die Wechselkosten für Seitenscheiben (Bild) auf durchschnittlich 120 € gesenkt werden (je 60 € für Material- und Lohnkosten) und das Fahrzeug ist nach nur zwei Stunden Verweildauer im Depot wieder einsatzfähig. Ähnliche Zeiten und Kosten ergeben sich auch beim Wechsel der Frontscheiben. Viele Verkehrsbetriebe – wie auch die Deutsche Bahn – reagieren bereits auf die Erfahrungen mit den neu entwickelten Dichtrahmen und ändern ihre Lasten- oder Pflichtenhefte. Bei Fahrzeugneubeschaffungen bzw. –modernisierungen (Lebenszeitverlängerungsmaßnahmen) werden nun überwiegend gummigefasste Scheibensysteme gefordert. Dies kollidiert nur in seltenen Fällen mit den statischen Vorgaben der Fahrzeughersteller. Mit dem neuen Konzept eröffnen sich den Betreibern – in Zeiten immer knapper werdender Budgets – deutliche Einspareffekte. Dies ist umso wichtiger, da sich der durchschnittliche Lebenszyklus von Schienenfahrzeugen in den letzten Jahren auf etwas 30 Jahre und länger einpendelte.

 

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von Ralf Waibel

 

 



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