
Zeiten und Geschmäcker ändern sich. Fahrgäste erwarten ein ansprechendes Angebot, das sie als Kunden zu erkennt und auch so behandelt. Daher erkennt man gute Dienstleister nicht nur an perfektem Service, sondern auch an einem modemen Fuhrpark, der auch im Detail höchsten Ansprüchen gerecht wird.
Faltenbälge sind solch ein Detail. Nach dem Motto "Sie sind halt notwendig, aber nicht schön" wurden sie bis vor kurzem komplett mit Nichtachtung gestraft. Bereits nach kürzester Zeit werden Fallenbälge grau und unansehnlich, kein Wunder, Waschanlagen lassen diesen Part bisher aus, und mit der Hand reinigt kaum ein Verkehrsunternehmen die Bälge.
Doch mit dem Zeitgeist ändert sich auch die Sicht auf eingefahrene Strukturen. Immer mehr Verkehrsunternehmen erkennen den Faltenbalg als kreative Möglichkeit, die Fahrzeuge und ihre Stadt zu (re)präsentieren. Ein geschickter Einfall kam der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG). Zusammen mit dem Balgproduzenten Hübner kam man auf die Idee, Kunst und Kraftfahrzeugtechnik während der documenta zu vereinen. Ein Kasseler Künstler bemalte den sonst mausgrauen Faltenbalg des Gelenkbusses mit einem aufwärts strebenden Comic-Mann, dem so genannten "Himmelsstürmer". Wenn der Bus fährt, scheint auch der Mann zu eilen. Ein optischer Trick macht es möglich.
Nach wie vor ein Hingucker ist auch der Solaris Urbino 18, der in Berlin seine Runden dreht. Dessen Faltenbalg schmückt eine Deutschlandfahne, die während der Fahrt durch die Bewegungen des Busses zu wehen scheint. Die Resonanz der Menschen auf dieses Fahrzeug war derart positiv, dass sich die BVG entschloss, den Bus auf der touristenbevölkenen Linie 100 im Herzen von Berlin einzusetzen.
Doch der Außenauftritt ist nur die eine Seite der Medaille. Um nämlich mehr Menschen zum Umstieg auf den Bus zu bewegen, muss dieser auch im Inneren so attraktiv wie möglich gestaltet werden. Große Fenster, gute und funktionierende Fahrgastinformationssysteme und im Sommer eine Klimaanlage – all das ist heute kaum noch wegzudenken. Zeit also, auch den Bereich im Faltenbalg etwas aufzuhübschen. Für Uwe Bittroff, Leiter der Sparte Straße beim Gelenk-und Faltenbalgproduzenten Hübner, schließen sich Funktionalität und gute Optik nicht aus.
Ein richtiger Weg in diese Richtung ist der Einsatz von transluzenten, also halblichtdurchlässigen Faltenbälgen. Sie verwandeln den sonst düsteren Ort in einen Raum mit Wohlfühlcharakter. Dabei gibt es unterschiedliche Herangehensweisen je nach Fahrzeughersteller. Führen sie die komplette Verkabelung für den Hinterwagen über das Dach, bieten sich transluzente Bereiche an den Seiten an. Aber auch mit modernen Materialien und neuen Stoffen lässt sich der Faltenbereich optisch aufwerten. Bestes Beispiel ist der MercedesBenz Capacity, dessen Gelenkabteil eine extrem positive Wirkung versprüht. Geschafft wurde das durch die Verwendung von mehrfarbigen Materialien, die die Formen- und Farbensprache des übrigen Busses gut aufnehmen.
Noch ist längst nicht das Ende der Entwicklung gekommen. Im Gegenteil, es scheint, als würden sich erst jetzt zunehmend die Betreiber von Busflotten Gedanken um einen wirkungsvollen Außen- und Innenauftritt machen. Die Hersteller gehen dabei in Vorleistung und zeigen, was machbar und dennoch bezahlbar ist. Denn schon mit dem Einsatz von zweifarbigen Stoffen lassen sich auf einfache Art überzeugende Effekte erzielen.
Omnibusrevue
7/2010
Text und Fotos: Sascha Böhnke
Infos zum Thema:
www.hubner-germany.com