



Kassel. Es gibt noch gute Nachrichten in der Krise: Im Industriepark Kassel brummt die Wirtschaft weiter. Inzwischen arbeiten rund 450 Firmen im Gewerbegebiet. Für Neuansiedlungen gibt es kaum noch Platz - Kassel braucht dringend neue Gewerbeflächen.
Beispiel HÜBNER GmbH. Der größte Betrieb im Industriepark, der weltweit mit technischen Industrieprodukten wie Fahrzeuggelenksystemen und Faltenbälgen für Busse, Trams und Eisenbahnzüge im Geschäft ist, freut sich über 50 Prozent Umsatzzuwachs in China. "In Deutschland sieht es nicht ganz so toll aus", sagt Reinhard Hübner, Geschäftsführender Gesellschafter. Er sieht aber bisher "keinen Grund zu großer Klage". Alle Arbeitsplätze blieben erhalten. Auch im nächsten Vierteljahr müsse HÜBNER "keine Kurzarbeit befürchten", sagt der Chef.
Über 120 Unternehmer und Führungskräfte waren der Einladung des Netzwerks Industriepark und der Firma Hübner zu den jüngsten Firmengesprächen gefolgt.
Bei den meisten ist von einer schweren Krise bisher nichts zu spüren. Die Rahmenbedingungen sind schwierig, aber die Stimmung sei nicht pessimistisch, brachte es Kai Lorenz Wittrock von der Wirtschaftsförderung Region Kassel auf den Punkt.
Wirtschaftsförderungs-Chef Thilo von Trott zu Solz nannte die Zahl von 10,5 Hektar Gewerbefläche, die im vergangenen Jahr im Industriepark vermarktet wurden. Die Flächen würden jetzt knapp, die Stadt müsse die Entwicklung neuer Gewerbestandorte vorantreiben.
Genau das hat Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) auch vor. Die Widerstände gegen ein Gewerbegebiet im Langen Feld müssten überwunden werden. Es wäre "unerträglich", angesichts einer Arbeitslosigkeit von 13,4 Prozent in Kassel keine neuen Gewerbeflächen auszuweisen, sagte Hilgen. 80 Hektar Nettofläche im Langen Feld und weitere 80 Hektar am Sandershäuser Berg und dort zudem der Autobahnanschluss seien dringend nötig: "Da müssen wir uns ranhalten." Nach einem "ausgesprochen erfolgreichen Jahr 2008" mit der Gewerbesteuer-Rekordeinnahme von 142 Millionen Euro stehe die Stadt nun vor schweren Monaten, sagte Hilgen. Aus kommunaler Sicht werde aber wohl 2010 das wirtschaftlich schwierigste Jahr.
Kassels Uni-Präsident Professor Dr. Rolf-Dieter Postlep machte deutlich, dass die in den vergangenen Jahren stark verbesserte Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft eine wachsende Bedeutung als unternehmerischer Erfolgs- und Standortfaktor hat. "Wir tun alles, um unser Wissen so aufzubereiten, dass es für die Wirtschaft bereitsteht", versicherte Postlep den Unternehmern.
Von Jörg Steinbach
Quelle: www.hna.de