



Der Boden ist uneben, weich und erdbraun. Fast wie ein Stück Natur im Blauen Saal der Stadthalle. Aber der Spezialboden ist aus Polyurethan hergestellt. Die Weltneuheit aus Kassel bildet Strukturen aus der Natur nach, damit wir Menschen Muskeln und Sinne trainieren können, die uns verloren gehen, seit wir nur noch in Schuhen auf ebenen Flächen laufen.
Natur als Vorbild: Der unebene Terrasensa-Boden, den Designer Jens Freitag (links) präsentiert, dient Kindern zur Förderung der sensomotorischen Entwicklung ebenso wie Senioren, die damit Sturzvermeidung trainieren können. Besucherin Stefanie Huch lässt sich von Michael Kunze (rechts) von der Hersteller-Firma Hübner informieren. [Foto: Malmus]
Am kleinen Stand des zur Kasseler Hübner-Gruppe gehörenden Unternehmens Terrasensa hätte Hübner-Mitarbeiter Michael Kunze am Wochenende viel verkaufen können. „Da war eben eine 83-Jährige, die hätte am liebsten gleich eine Bodenplatte mitgenommen“, sagt er. Aber der Testboden wurde nicht verkauft, nur ausprobieren und anschauen waren möglich. „Mit einer Platte kann man schon richtig was tun“, erzählt Designer Jens Freitag, der das Produkt mitentwickelt hat. Er steht morgens im Badezimmer auf seinem 50 mal 50 Zentimeter kleinen Trainingsgelände und spürt, wie lange nicht angesprochene feine Muskeln aktiv werden, die Durchblutung sich verbessert und sein Körper einen Wohlfühl-Kick bekommt.
Der Terrasensa -Boden ist beispielhaft für ein funktionierendes Gesundheits-Netzwerk in der Region. An der Entwicklung und Herstellung sind vornehmlich Kasseler Experten beteiligt, allein für den Vertrieb ist die Firma Artzt aus Dornburg bei Limburg mit im Geschäft. Der Kasseler Physiotherapeut Sascha Seifert (Rehamed) hat sein Fachwissen ebenso beigesteuert wie Marketingspezialist Professor Dr. Gerdum Enders (Global Mind) und Diplom-Designer Jens Freitag (TEO Industriedesign). Der Trainingswissenschaftler und Sportmediziner Professor Dr. Kuno Hottenrott soll die Entwicklung wissenschaftlich begleiten. Hergestellt wird der Therapie- und Trainingsboden bei Gummi-Hübner, bekannt durch Faltenbälge für Busse und Schienenfahrzeuge.
Mit 140 Ausstellern hatte das Regionalmanagement Nordhessen am vergangenen Wochenende die bisher größte Gesundheits-Infomesse auf die Beine gestellt. Zwei Ausstellern musste sogar abgesagt werden, „wir hatten für die Stände schlicht keinen Platz mehr“, berichtet Projektleiterin Bettina Ungewickel.
Den insgesamt 9000 Besuchern wurden vielfältige Informationen und Aktionen rund um das Thema Gesundheit geboten. Fast alle großen Krankenhäuser der Region waren vertreten, erstmals auch das Nephrologische Zentrum Niedersachsen am Vogelsang in Hann. Münden. Von Selbsthilfegruppen über medizinische Hilfsmittel bis zur gesunden Ernährung blieb der Marktplatz für die Gesundheit im Tagungszentrum Stadthalle kaum eine Information schuldig. Fachvorträge von Ärzten und Diskussionsforen mit Spezialisten rundeten das Programm ab.
Von Jörg Steinbach,
HNA Online